Es gibt Videos, die man schaut und danach erst mal schlucken muss. Genau so ging es uns bei dem Undercover-Experiment von tomatolix: Er bewirbt sich als Chatmoderator und zeigt, wie manche Dating-Plattformen mit fiktiven Profilen arbeiten, um Nutzerinnen und Nutzer möglichst lange im Chat zu halten und dabei über Coins/Credits Geld zu verdienen.
Das ist kein Beitrag gegen Online-Dating an sich. Im Gegenteil: Online-Dating kann eine wunderbare Chance sein, wenn es ehrlich, transparent und respektvoll abläuft. Aber genau deshalb lohnt es sich, die Mechanismen zu kennen, die in manchen Ecken des Marktes eben nicht auf echte Begegnungen ausgelegt sind.
Ein Job, der „zu gut“ klingt – und genau deshalb funktioniert
Im Video beginnt alles mit etwas, das auf den ersten Blick harmlos wirkt: Jobanzeigen, die versprechen, man könne „von überall aus“ chatten, flexibel arbeiten und pro Nachricht bezahlt werden. Klingt fast wie ein Nebenjob für Studierende oder Menschen, die nebenbei etwas verdienen möchten.
Doch schon in der Schulung wird klar: Der Job besteht nicht darin, echte Nutzer zu unterstützen. Sondern darin, als flirtwilliger Single aufzutreten, Gespräche am Laufen zu halten und dabei so zu schreiben, dass es möglichst „authentisch“ wirkt. Mit Geschichten aus dem Alltag, kleinen Details, Humor. Eben so, wie Menschen schreiben, wenn sie echtes Interesse haben.
Und genau da wird es schwierig: Denn auf der anderen Seite sitzen Nutzer, die glauben, mit einer realen Person zu schreiben.
Dass es solche Modelle gibt, ist auch für Verbraucherorganisationen seit Jahren ein Thema. Die Verbraucherzentrale warnt ausdrücklich vor Fake-Profilen und „professionellen Chatpartner:innen“, die in manchen Portalen eingesetzt werden. Häufig seien diese Profile für Nutzer nicht klar erkennbar und ein echtes Kennenlernen sei dann praktisch ausgeschlossen.
Coins, Druck und bloss nicht raus aus dem Chat
Was tomatolix im Video besonders deutlich macht: Bei vielen dieser Plattformen geht es nicht um „Premium-Mitgliedschaft“, sondern um Bezahlung pro Nachricht. Das Modell ist simpel:
- Anmeldung ist gratis
- Man bekommt ein paar „Free Coins“
- Es passiert sofort etwas: Nachrichten, Likes, Aufmerksamkeit
- Und sobald man emotional „drin“ ist, kostet jede Nachricht Coins
Im Video rechnet tomatolix vor, dass eine einzelne Nachricht je nach Paket am Ende sinngemäss bei rund 2 Euro liegen kann. Damit wird plötzlich verständlich, warum „immer weiter schreiben“ im System so wichtig ist.
Auf der Moderatorenseite zeigt sich gleichzeitig ein ganz anderer Druck: Das System fordert Tempo. Wer zu langsam antwortet, wird ermahnt, im schlimmsten Fall sogar ausgeloggt oder gesperrt. Qualität? Empathie? Spielt zwar in einzelnen Chats eine Rolle, aber das Ziel bleibt: möglichst viel Output.
Und dann ist da noch ein zentraler Punkt: Wechseln auf WhatsApp, Instagram oder Telefon wird abgeblockt. Nicht unbedingt, weil man „Sicherheit“ will, sondern weil ausserhalb des Systems keine Coins mehr fliessen.
Warum merkt man das als Nutzer so schwer?
Das ist das Perfide: Diese Apps sehen häufig aus wie ganz normale Dating-Apps. Gute Bewertungen, hübsches Design, ein Swipe-System, Profile, Matches. Alles wirkt vertraut.
Wer jedoch das Kleingedruckte liest, findet manchmal Formulierungen wie:
- „fiktive Profile“
- „professionelle Chatpartner“
- „Controller“ / „Moderatoren“
Viele Menschen lesen AGB aber nicht. Und wenn die Information zusätzlich noch versteckt ist, merkt man sie erst dann, wenn bereits Geld geflossen ist oder wenn man sich fragt, warum ein Treffen nie zustande kommt.
Genau diese Intransparenz wurde auch gerichtlich kritisiert. Der vzbv (Verbraucherzentrale Bundesverband) hat mehrere Verfahren begleitet, in denen Gerichte deutlich gemacht haben: Wenn es Fake-Profile oder bezahlte Chatpartner gibt, muss das klar und deutlich erkennbar sein und nicht irgendwo tief in den AGB.
Was Gerichte konkret beanstanden: Wenn der Zweck nicht erreichbar ist
Ein besonders starker Gedanke aus der Rechtsprechung ist: Nutzer zahlen bei einer Dating-Plattform in der Erwartung, echte Menschen kennenzulernen. Wenn aber ein relevanter Teil der Kommunikation über fiktive Profile läuft und diese Profile gar keine echten Treffen ermöglichen, wird der eigentliche Zweck verfehlt.
Das Landgericht Flensburg hat (in einem vom vzbv begleiteten Fall) entschieden, dass ein Dating-Portal keine Fake-Profile verwenden darf, wenn das Portal den Eindruck erweckt, es gehe um echte Singles und echtes Kennenlernen.
Eine gut verständliche Einordnung dazu finden Sie auch hier: Smartlaw – „Einsatz von Fake-Profilen auf Dating-Plattform unzulässig“
Der Moment, der hängen bleibt: 613 Tage Chat und keine echte Chance
Im Video gibt es eine Szene, die das Ganze emotional auf den Punkt bringt: tomatolix sieht einen Chat, in dem ein Nutzer seit 613 Tagen mit einem Profil schreibt, das von verschiedenen Moderatoren bedient wird. Dazu kommen enorme Summen: im Video fällt auch das Beispiel eines „Stammkunden“, der über 60.000 Euro investiert habe.

Und genau da kippt es von „fragwürdig“ zu „wirklich schlimm“. Denn ab diesem Punkt geht es nicht mehr um gelegentliches Chat-Entertainment. Es geht um Menschen, die sich emotional binden, Hoffnung aufbauen, vielleicht sogar eine Art Beziehung fühlen und dafür über Monate oder Jahre zahlen, ohne realistisch je ein echtes Kennenlernen zu erreichen.
Diese Dynamik wird auch in journalistischen Recherchen beschrieben: Menschen werden in ihrer Sehnsucht nach Nähe abgeholt, bekommen schnell Rückmeldungen und bleiben dann in einem System, das sich wirtschaftlich genau daraus speist.
Wie gross ist das Problem wirklich?
Jetzt ist wichtig: Man darf daraus nicht ableiten, dass Online-Dating insgesamt „Fake“ sei. Das wäre unfair gegenüber seriösen Plattformen und gegenüber den vielen Menschen, die sich online tatsächlich ehrlich kennenlernen.
Aber: Dass es einen relevanten Marktbereich gibt, der mit fiktiven Profilen arbeitet, ist gut dokumentiert. In einem Hintergrundpapier der Verbraucherorganisationen wird beschrieben, dass bei einer Recherche 187 Online-Dating-Portale identifiziert wurden, die laut ihren Bedingungen fiktive Profile einsetzen.
Das heisst nicht, dass jede grosse Dating-App so arbeitet. Aber es heisst: Es gibt genug Anbieter, bei denen man sehr genau hinschauen sollte.
Woran Sie solche Portale erkennen
Man muss nicht misstrauisch durchs Leben gehen. Aber ein paar klare Warnzeichen* helfen enorm:
1) Bezahlung pro Nachricht (Coins/Credits): Wenn jede Nachricht Coins kostet, hat das System ein Interesse daran, dass Sie nicht schnell zu echtem Kontakt kommen. Das ist der grösste rote Alarm.
2) Wechsel auf WhatsApp/Telefon wird konsequent verhindert: Wenn es ständig Ausreden gibt oder man Sie aktiv im System halten will, ist das kein gutes Zeichen.
3) Treffen bleiben immer „in Aussicht“, werden aber nie konkret: „Bald“, „später“, „nächste Woche“ – aber nie ein echtes Datum, nie ein klarer Plan.
4) AGB enthalten Begriffe wie „fiktive Profile“, „Moderatoren“, „Controller“: Das sind klassische Trigger-Wörter. Die Verbraucherzentrale nennt genau solche Formulierungen als Hinweis auf fiktive Profile.
Was wir bei DuoLivo daraus mitnehmen
Wir glauben an Online-Dating. Wirklich. Aber wir glauben nicht an Systeme, die Menschen in Hoffnung halten, während der Algorithmus im Hintergrund nur fragt: „Wie lange bleibt er im Chat?“
Darum ist für uns bei DuoLivo klar:
- Keine Coins pro Nachricht. Gespräche sind keine Geldmaschine.
- Transparente Regeln und klare Preise ohne versteckte Mechaniken.
- Ein Umfeld, in dem echtes Kennenlernen nicht nur möglich ist, sondern das Ziel.
Denn am Ende geht es um etwas sehr Menschliches: Vertrauen. Und das entsteht nicht durch Druck, Tricks oder fiktive Profile, sondern durch Ehrlichkeit, Respekt und Klarheit.
Online-Dating ja – aber bitte mit offenen Augen
Das tomatolix-Video zeigt ein Modell, das nicht auf echte Begegnungen ausgelegt ist, sondern auf Dauer-Chat. Und die Quellen von Verbraucherzentrale und vzbv machen deutlich: Das ist nicht nur moralisch schwierig, sondern kann auch rechtlich problematisch sein, besonders dann, wenn die Hinweise versteckt sind und Nutzer gezielt in die Irre geführt werden.
Wenn Sie Online-Dating nutzen, dann nehmen Sie sich diese 2 Minuten extra Zeit:
- Lesen Sie die negativen Bewertungen.
- Suchen Sie in den AGB nach „fiktiv“, „Moderator“, „Controller“.
- Und wenn jede Nachricht Geld kostet: gehen Sie einen Schritt zurück.
Denn echte Nähe beginnt nicht mit Coins, sondern durch Ehrlichkeit. Dafür steht DuoLivo.
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