Heute möchte ich über eine Frage schreiben, die uns seit Beginn begleitet und die wahrscheinlich auch dich beschäftigt, wenn du Online-Dating nutzt: Warum wirkt es oft so, als hätten grosse Dating-Portale gar kein echtes Interesse daran, dass du wirklich jemanden findest? Warum fühlt sich vieles mehr nach Spiel an als nach ernsthafter Partnersuche?

Ein Versprechen und ein Widerspruch

Die meisten Dating-Apps werben mit einem ähnlichen Versprechen: Finde deine grosse Liebe und lösche die App.

In der Realität sieht es oft anders aus. Viele Menschen verbringen Monate oder Jahre in verschiedenen Apps, installieren sie, löschen sie und kommen später wieder. Sie probieren unterschiedliche Portale aus, zahlen für Premium-Funktionen und haben trotzdem das Gefühl, in einer Art Endlosschleife zu stecken.

Der Widerspruch dahinter ist ziemlich klar:

  • Du möchtest jemanden finden, der zu dir passt und danach die App möglichst nicht mehr brauchen.
  • Die Plattform verdient ihr Geld damit, dass möglichst viele Menschen möglichst lange aktiv bleiben, immer wieder zurückkehren und im besten Fall laufend Abos und Zusatzfunktionen kaufen.

Genau diesen Widerspruch beschreiben inzwischen nicht nur Journalist:innen, sondern auch Jurist:innen und Forscher:innen. Eine aktuelle Sammelklage in den USA wirft dem Mutterkonzern von Tinder und anderen Portalen vor, seine Apps so zu gestalten, dass sie Nutzer:innen in einer „pay-to-play“-Endlosschleife halten – also in einem System, in dem man immer weiter bezahlt, ohne wirklich anzukommen. Das heisst nicht, dass im Hintergrund jemand beschliesst: „Niemand soll glücklich werden.“ Aber es bedeutet aus Sicht dieser Unternehmen ist es wirtschaftlich attraktiver, wenn du suchst, statt anzukommen.

Wie grosse Dating-Portale wirklich Geld verdienen

Auf den ersten Blick wirkt vieles kostenlos: App herunterladen, Profil anlegen, Fotos hochladen. Doch „gratis“ ist nur die Eintrittstür.

Fast alle grossen Portale arbeiten mit einem ähnlichen Modell:

  • Eine kostenlose Basisversion mit eingeschränkten Möglichkeiten.
  • Mehrere Stufen von Premium-Abos mit unterschiedlichen Namen und Preisen.
  • Zusätzliche Einmalzahlungen für „Boosts“, „Super Likes“, „Spotlight“ und ähnliche Extras.

Dazu kommt ein zweiter, weniger sichtbarer Teil des Geschäftsmodells: Daten.

Die Plattformen sammeln sehr detaillierte Informationen über ihre Nutzer:innen wie Alter, Geschlecht, Wohnort, Interessen, Swipe-Verhalten, Onlinezeiten, Kaufverhalten. Diese Daten sind wertvoll: Sie helfen, Werbung gezielt zu schalten, Produkte zu entwickeln und neue Bezahlfunktionen zu testen. Genau darauf weist zum Beispiel die Medienwissenschaftlerin Hannah Pfeiffer in ihrem Artikel „Warum Tinder nicht will, dass Du deine grosse Liebe kennenlernst“ hin: Dating-Apps sind Teil eines plattformkapitalistischen Systems, in dem Nutzer:innen zugleich Kundschaft und Rohstoff sind.

Der grösste Player in diesem Markt, die Match Group (unter anderem Tinder, Hinge, OkCupid), setzte 2023 weltweit mehrere Milliarden US-Dollar um und das hauptsächlich mit In-App-Käufen.

Und auch Behörden schauen inzwischen genauer hin: Die US-Verbraucherschutzbehörde FTC hat Match Group 2025 zu einer Zahlung von 14 Millionen Dollar verpflichtet und dem Unternehmen irreführende Werbung sowie erschwerte Kündigungsprozesse vorgeworfen. Kurz gesagt: Das System ist darauf ausgelegt, dass du lange bleibst, nicht dass du die App nach drei Wochen glücklich löschen kannst.

Gamification im Alltag

Damit du lange bleibst, setzen viele grosse Apps auf Gamification, also darauf, dass sich die Nutzung wie ein Spiel anfühlt.

Swipen ist dafür das beste Beispiel. Jede Wischbewegung ist eine kleine Entscheidung: links – nein, rechts – vielleicht. Dahinter steckt ein Belohnungssystem, das wir auch aus der Glücksspiel-Forschung kennen: Die Belohnung (ein Match, eine Nachricht) kommt nicht regelmässig, sondern zufällig. Genau das macht das Ganze so reizvoll – und manchmal so schwer zu unterbrechen.

Das Prinzip ist immer ähnlich:

  • Du triffst eine schnelle Entscheidung (Wisch, Like, Klick).
  • Du hoffst auf eine Belohnung (Match, Nachricht, Profilbesuch).
  • Manchmal kommt sofort etwas, manchmal gar nichts, manchmal erst später.
  • Dein Gehirn lernt: „Vielleicht beim nächsten Mal.“

Mehrere aktuelle Analysen vergleichen dieses Muster mit einem virtuellen Spielautomaten: Man wirft immer wieder einen „Token“ ein (Zeit, Aufmerksamkeit, Geld) in der Hoffnung, dass bei der nächsten Runde „der Richtige“ oder „die Richtige“ dabei ist.

Gamification an sich ist nicht schlecht. Sie kann Hemmungen senken, Spass machen und den Einstieg erleichtern. Problematisch wird es, wenn die Spiellogik wichtiger wird als das, worum es dir eigentlich geht: um echte Begegnungen, Verbindlichkeit und ein Gegenüber, das zu deinem Leben passt.

Hand hält ein Smartphone mit virtueller Slotmachine – Symbolbild für Gamification in Dating-Apps

Algorithmen, versteckte Scores und künstliche Knappheit

Hinter der Oberfläche läuft noch etwas anderes, das man nicht sieht: Algorithmen.

Studien und journalistische Recherchen zeigen, dass viele Dating-Apps Nutzer:innen nach Aktivität und „Beliebtheit“ sortieren also zum Beispiel danach, wie oft sie geliked werden, wie häufig sie swipen oder wie schnell sie auf Nachrichten reagieren.

Wer viel aktiv ist und viele Reaktionen bekommt, wird häufiger gezeigt. Wer seltener online ist oder weniger Rückmeldungen erhält, rutscht eher in den Hintergrund. Zwischendurch werden besonders stark nachgefragte Profile eingespielt, um die Hoffnung hochzuhalten – auch dann, wenn die Chance auf einen echten Match gar nicht so gross ist.

Dazu kommen bewusst gesetzte Engpässe:

  • Eine begrenzte Anzahl von Likes pro Tag.
  • Nur ein kleiner Teil der Menschen, die dich geliked haben, ist sichtbar – der Rest nur mit Premium.
  • Zusätzliche Sichtbarkeit oder „Top-Platzierungen“ gibt es nur gegen Aufpreis.

Eine ausführliche Recherche des „Guardian“ beschreibt genau dieses Zusammenspiel: gamifizierte Funktionen, künstliche Verknappung und immer teurere Zusatzfeatures, alles mit dem Ziel, Nutzer:innen im System zu halten und zum Zahlen zu bewegen.

Wieder geht es nicht darum, dass niemand eine Beziehung finden soll. Aber das System ist so gebaut, dass dauerhafte Aktivität und wiederkehrende Zahlungen belohnt werden – nicht zwingend der Moment, in dem du sagst: „Ich habe jemanden gefunden, ich bin raus.“

Online-Dating ist nicht das Problem

Bei aller Kritik ist es mir wichtig, eine Sache klar zu sagen: Das Problem ist nicht Online-Dating an sich.

Der Bamberger Soziologe Thorsten Peetz weist in einem Interview zum zehnjährigen Jubiläum von Tinder genau darauf hin: Tinder sei keine „Fleischtheke“, an der man sich einfach jemanden aussucht, sondern eher eine Art Spiel, in dem Menschen ihre Intimität und Attraktivität aushandeln. Viele Nutzer:innen gestalten ihre Profile sehr bewusst, erzählen mit Fotos und Texten kleine Geschichten und formulieren klar, was sie wollen und was nicht.

Das heisst: Online-Plattformen können sehr wohl ein Raum sein, in dem sich Menschen begegnen, die sich im Alltag nie getroffen hätten. Sie können helfen, nach einer Trennung wieder Schritte zu gehen, sich nach einem Verlust wieder zu öffnen oder einfach jemanden zu finden, der denselben Humor teilt.

Der Punkt ist nicht: „Lösch alle Apps sofort.“

Der Punkt ist: Verstehe, nach welchen Regeln das Spiel läuft – und entscheide dann bewusst, wie du mitmachst.

Wie wir bei DuoLivo bewusst einen anderen Weg gehen

Genau aus diesen Überlegungen heraus ist DuoLivo entstanden.

Wir wollten keine weitere App bauen, die um jeden Preis deine Aufmerksamkeit maximiert. Wir wollten einen Ort schaffen, an dem Menschen ab 50 in der Schweiz mit Respekt, Klarheit und ohne Spielchen aufeinander treffen können.

Das hat ein paar ganz konkrete Folgen:

Weniger Casino, mehr Café-Gespräch

DuoLivo setzt bewusst nicht auf endloses Swipen. Du siehst Profile in einer ruhigen, übersichtlichen Darstellung, kannst dir Zeit nehmen, Texte zu lesen und Fotos wirken zu lassen. Es geht nicht darum, in kurzer Zeit möglichst viele Menschen „wegzuwischen“, sondern darum, zu spüren: Wer passt zu mir?

Ankommen ist ausdrücklich erwünscht

Wir verdienen unser Geld nicht damit, dass du möglichst lange im System „hängen“ bleibst. Unser Ziel ist, dass du jemanden findest, der zu dir passt – und danach vielleicht genau das tust, was grosse Portale wirtschaftlich fürchten: dein Abo kündigen, die App löschen, weitersagen, dass du dort jemanden gefunden hast.

Klare, faire Strukturen

Wir legen Wert auf Transparenz bei Preisen, Funktionen und Datenschutz. Kein Abo-Dschungel mit zehn Varianten, keine versteckten Attraktivitäts-Scores, keine absichtlich komplizierten Kündigungswege. DuoLivo ist in der Schweiz zuhause – und genau so soll sich die Nutzung anfühlen: nahbar, nachvollziehbar, menschenorientiert.

Zwei Herzen statt Endlosschleife

Vielleicht hast du beim Lesen an deine eigenen Erfahrungen gedacht: an Abende, an denen du dich durch Profile gewischt und dich danach leer gefühlt hast; an Matches, aus denen nichts wurde; an den Moment, in dem du gedacht hast: „Irgendwie stimmt hier etwas nicht.“

Wenn ja, dann bist du nicht allein.

Und du hast recht: Da stimmt etwas nicht – zumindest, wenn man davon ausgeht, dass das Ziel eigentlich wäre, dass Menschen sich finden und ankommen.

Grosse Dating-Portale werden auch in Zukunft mit neuen Funktionen, Abos und Spielmechaniken um deine Aufmerksamkeit werben. Daran wird sich so schnell nichts ändern. Aber du hast eine Wahl: Du kannst entscheiden, wo du deine Zeit, deine Daten und dein Herz investierst.

DuoLivo ist unser Versuch, eine Alternative anzubieten: einen ruhigeren, transparenteren Ort für Menschen 50+ in der Schweiz. Einen Ort, an dem nicht die Endlosschleife im Mittelpunkt steht, sondern die Möglichkeit, dass sich zwei Herzen finden und gemeinsam einen neuen Weg gehen.

Wenn du Lust hast, Online-Dating ohne Casino-Gefühl zu erleben:
– DuoLivo im Browser öffnen
– App im Apple App Store / Google Play laden
Alternativ kannst du dich auch gerne nochmals auf unserer Website informieren.