Es beginnt fast immer freundlich. Eine Nachricht von jemandem, der sich für Sie interessiert, gut zuhört und sich meldet, wenn er es angekündigt hat. Genau darin liegt die Schwierigkeit: Diese Betrugsform sieht am Anfang nicht wie Betrug aus, sondern wie das, was man sich wünscht. Romance Scam, auf Deutsch Liebesbetrug, funktioniert nicht über Technik. Er funktioniert über Zeit und Vertrauen.
In diesem Beitrag zeigen wir, was die Schweizer Kriminalstatistik über diese Fälle sagt, an welchen sieben Mustern Sie eine Masche erkennen, bevor Geld fliesst, und was zu tun ist, wenn bereits etwas passiert ist.

Was die Zahlen zeigen
Seit 2021 weist die polizeiliche Kriminalstatistik (PKS) Romance Scam gesondert aus. Für 2021 wurden 776 Fälle mit 714 Geschädigten erfasst, und aufgeklärt wurde davon nur gut ein Achtel. Seither bewegt sich die Zahl der Anzeigen bei jährlich rund 650.
Für 2025 erfasste das Bundesamt für Statistik insgesamt 57’761 Straftaten mit digitalem Tatvorgehen, davon 54’247 im Bereich der Cyber-Wirtschaftskriminalität. Zur Verteilung hält die Statistik zwei Punkte fest, die für unsere Leserschaft zählen: Beim Romance Scam waren 54,8 Prozent der geschädigten Personen weiblich, und am stärksten betroffen war die Altersgruppe der über 60-Jährigen. Schon für 2022 hielt SRF mit Bezug auf die Kriminalstatistik fest, dass die meisten Opfer über fünfzig Jahre alt waren.
Diese Zahlen bilden allerdings nur einen Ausschnitt ab. Zwei Gründe dafür:
- Die Dunkelziffer ist hoch.Fabian Ilg, Geschäftsleiter der Schweizerischen Kriminalprävention, nennt tiefe emotionale Verletzungen und Scham als Hauptgründe, warum viele Fälle gar nicht angezeigt werden. Viele Betroffene halten zudem lange an der Hoffnung fest und wollen den Betrug nicht wahrhaben. Die
- Aufklärung ist schwierig. Die Täterschaften sitzen fast immer im Ausland und arbeiten arbeitsteilig. Was einmal überwiesen ist, lässt sich selten zurückholen.
Wie viel Geld im Spiel ist, zeigt ein kantonales Beispiel: Im Kanton Aargau gingen 2024 59 Anzeigen ein, mit einer Deliktsumme von über drei Millionen Franken. Es geht also selten um kleine Beträge.
Eine gute Nachricht steht daneben: Nach mehreren Jahren Präventionsarbeit beobachtet dieselbe Kantonspolizei sinkende Schadenssummen und führt das zumindest teilweise auf ihre Kampagne zurück. Aufklärung wirkt. Deshalb dieser Beitrag.
Warum die Masche bei Menschen ab 50 ankommt
Vorweg, weil dieser Punkt oft falsch erzählt wird: Betroffene sind nicht naiv. Sie werden nicht überrumpelt, sondern über Wochen und Monate systematisch bearbeitet. Wer über längere Zeit täglich Zuwendung erfährt, entwickelt Vertrauen. Das ist keine Schwäche, sondern normal.
Zwei Umstände machen die Altersgruppe für Täterschaften trotzdem interessanter. Erstens sind Menschen ab 50 häufiger in Lebensphasen, die von aussen erkennbar sind: nach einer Trennung, nach dem Verlust des Partners, nach der Pensionierung. Die Kantonspolizei Aargau nennt Einsamkeit als wiederkehrendes Thema bei Betroffenen. Das ist kein Vorwurf, sondern eine Beschreibung dessen, worauf Täter gezielt zielen. Zweitens sind in dieser Lebensphase häufiger Ersparnisse vorhanden, die kurzfristig verfügbar sind. Die Auswahl der Opfer erfolgt nicht zufällig.

Die sieben Muster
Kein einzelnes Merkmal beweist einen Betrug. Aber diese sieben Punkte wiederholen sich in den dokumentierten Fällen so regelmässig, dass drei davon zusammen ein deutliches Warnsignal sind.
- Der Erstkontakt kommt von aussen. Viele Fälle beginnen nicht auf einer Partnerbörse, sondern über soziale Netzwerke oder Messenger: eine unerwartete Freundschaftsanfrage auf Facebook, eine Direktnachricht auf Instagram, manchmal eine angeblich falsch verschickte SMS. Auf einer Plattform mit Anmeldeprüfung ist der Aufwand für Täter höher, deshalb weichen sie auf Kanäle ohne Kontrolle aus.
- Die Gefühle kommen zu schnell. Nach wenigen Tagen ist von Seelenverwandtschaft die Rede, nach zwei Wochen von gemeinsamer Zukunft. Diese Beschleunigung ist Methode: Wer emotional gebunden ist, prüft weniger. Ein echtes Kennenlernen ab 50 verläuft langsamer, tastender und mit mehr Rückfragen. Wie viel Zeit dabei üblich ist, haben wir in einem eigenen Beitrag beschrieben.
- Der Wechsel des Kanals kommt früh. Schon nach kurzer Zeit soll die Unterhaltung auf WhatsApp, Telegram oder E-Mail weitergehen. Der Grund wird freundlich verpackt, der Effekt ist entscheidend: Ausserhalb der Plattform gibt es keine Moderation, keine Meldefunktion und keine Spur, die jemand prüfen könnte.
- Die Biografie erklärt die Distanz. Arzt bei einer internationalen Organisation, Ingenieur auf einer Bohrinsel, Soldat im Auslandeinsatz, Kunsthändler auf Reisen. Die Berufe wechseln, die Funktion bleibt dieselbe: Die Geschichte muss plausibel machen, warum diese Person weit weg ist, gut verdient und trotzdem gerade nicht an ihr Geld kommt.
- Ein Treffen kommt nie zustande. Termine platzen kurzfristig, Videoanrufe werden vermieden, brechen ab oder wirken merkwürdig. Mit KI-generierten Bildern und Videos ist dieses Muster schwieriger geworden, aber es bleibt der härteste Test: Wer über Monate weder ein spontanes Videogespräch noch ein Treffen ermöglicht, hat dafür einen Grund.
- Die erste Bitte um Geld ist klein. Ein Zollproblem, eine Arztrechnung, ein gesperrtes Konto, ein Flugticket. Der erste Betrag ist niedrig genug, dass eine Absage kleinlich wirken würde. Danach folgen weitere, grössere Bitten. In einer heute häufigen Variante geht es gar nicht um Not, sondern um eine angeblich sichere Geldanlage, oft mit Kryptowährungen: Eine kleine Auszahlung funktioniert tatsächlich und dient als Beweis, bevor der grosse Betrag verschwindet.
- Das Geld soll über Ihr Konto laufen. Das folgenreichste Muster kommt zuletzt und wird oft übersehen. Betroffene werden gebeten, Zahlungen weiterzuleiten, Pakete anzunehmen oder ihr Konto zur Verfügung zu stellen. Wer das tut, wird ungewollt Teil der Tat und kann selbst in ein Strafverfahren geraten. Die Schweizerische Kriminalprävention weist ausdrücklich auf diese Variante hin.
Was kein Warnsignal ist
Genauso wichtig wie das Erkennen ist, nicht jede Unregelmässigkeit für Betrug zu halten. Diese Dinge sind für sich allein unverdächtig:
- Jemand lebt im Ausland oder reist beruflich viel. Das kommt vor. Verdächtig wird es erst, wenn daraus ein Grund wird, weshalb ein Videogespräch nie möglich ist.
- Jemand schreibt mit Fehlern oder wirkt ungeübt. Nicht alle sind sichere Schreiber, und nicht alle schreiben in ihrer Erstsprache.
- Jemand ist beim ersten Videoanruf zurückhaltend. Kamerascheu ist verbreitet. Entscheidend ist, ob es beim zweiten und dritten Versuch bleibt.
- Jemand erzählt von schwierigen Zeiten. Offenheit über Verluste oder Krankheit gehört zum Kennenlernen ab 50 dazu. Zum Muster wird sie erst, wenn daraus eine Bitte um Geld folgt.
Was Sie selbst prüfen können
Vier Handgriffe, die wenig Zeit kosten und viel klären:
- Bilder rückwärts suchen. Profilbilder lassen sich über die Bildersuche prüfen. Taucht dasselbe Gesicht unter anderem Namen auf, ist die Sache erledigt.
- Früh ein Videogespräch vorschlagen. Nicht als Prüfung formuliert, sondern als das, was es ist: der Wunsch, Stimme und Gesicht kennenzulernen.
- Details gegenprüfen. Arbeitgeber, Wohnort, Beruf. Echte Angaben halten einer freundlichen Nachfrage stand, erfundene geraten in Widersprüche.
- Eine zweite Meinung einholen. Erzählen Sie einer Person Ihres Vertrauens davon. Täter arbeiten mit Exklusivität und bitten früh um Diskretion. Genau das sollte hellhörig machen.
Und der Grundsatz, der alles andere überflüssig macht: Wer Sie online kennengelernt und noch nie persönlich getroffen hat, erhält kein Geld. Ohne Ausnahme, unabhängig von der Geschichte.
Wenn bereits etwas passiert ist
Zuerst das Wichtigste: Ihnen ist ein Verbrechen widerfahren. Die Verantwortung liegt bei den Tätern. Konkret helfen diese Schritte:
- Den Kontakt beenden und nicht weiter diskutieren. Erklärungen führen nur zu neuen Geschichten.
- Sofort die Bank informieren. Bei kürzlich ausgeführten Zahlungen lässt sich manchmal noch etwas aufhalten.
- Beweise sichern: Chatverläufe, Profile, Zahlungsbelege, Kontoangaben der Gegenseite.
- Anzeige bei der Kantonspolizei erstatten. Auch wenn die Aufklärung schwierig ist, fliessen die Angaben in Ermittlungen ein, die oft mehrere Kantone betreffen.
- Mit jemandem sprechen, dem Sie vertrauen. Scham ist der Grund, warum viele Fälle nie gemeldet werden, und Schweigen macht die Sache selten leichter.
- Vorsicht vor der zweiten Welle: Wer sich nach einem Betrug meldet und gegen Vorauszahlung das Geld zurückholen will, gehört zur selben Masche.

Was wir bei DuoLivo tun
Wir prüfen jede Anmeldung von Hand, bevor ein Profil sichtbar wird, und geben längst nicht alle frei. Wie das konkret aussieht und mit welchen Zahlen, haben wir offen aufgeschrieben. Wir sagen aber ebenso klar, was eine Prüfung nicht leisten kann: Sie hält gefälschte Profile weitgehend draussen, aber sie kann niemanden davon abhalten, ein Gespräch auf einen anderen Kanal zu verlagern. Deshalb gilt Muster 3 auch bei uns. Bleiben Sie auf der Plattform, bis Sie sich sicher fühlen, und melden Sie uns Auffälliges. Jede Meldung wird angeschaut.
Fazit: Vorsicht ist kein Misstrauen
Romance Scam funktioniert, weil er auf etwas zielt, das gesund ist: die Bereitschaft, jemandem zu vertrauen. Diese Bereitschaft müssen Sie nicht aufgeben. Es genügt, die Muster zu kennen und eine einzige Linie zu halten: kein Geld an Menschen, die Sie nie persönlich getroffen haben. Wer das tut, kann offen bleiben, neugierig bleiben und trotzdem sicher unterwegs sein.
👉 Jetzt DuoLivo entdecken – die Schweizer Begegnungsplattform für Menschen ab 50.
Häufige Fragen
An der Kombination aus Tempo und Distanz: sehr schnelle Gefühle, sehr früher Wechsel auf einen privaten Kanal und kein Treffen. Kommt eine Bitte um Geld dazu, ist die Sache klar.
Betroffen sind alle Altersgruppen. In der Kriminalstatistik 2025 war beim Romance Scam allerdings die Gruppe der über 60-Jährigen am stärksten vertreten, und rund 55 Prozent der Geschädigten waren Frauen.
Manchmal, wenn die Zahlung erst kurz zurückliegt und die Bank schnell reagiert. Bei Überweisungen ins Ausland oder in Kryptowährungen ist es meist verloren. Umso wichtiger ist der frühe Anruf bei der Bank.
Ja. Anzeigen machen das Ausmass sichtbar, sie verbinden Fälle über Kantonsgrenzen hinweg, und sie sind oft Voraussetzung dafür, dass eine Bank überhaupt tätig wird.
Sie senkt die Wahrscheinlichkeit deutlich, weil Prüfung und Kosten den Aufwand für Täter erhöhen. Eine Garantie ist sie nicht. Warum wir trotzdem auf eine Mitgliedschaft statt auf ein Gratis-Modell setzen, haben wir separat erklärt.










